Futtermittelintoleranzen - wenn's juckt oder im Bauch grummelt

Hund mit Juckreiz
Es scheint eine moderne Erkrankung zu sein, die offenbar immer mehr Menschen, aber auch Hunde betrifft. Wer kennt den Kommentar vieler Leute nicht? „Früher gab es das nicht, da hatte niemand eine Allergie und unsere Tiere schon gar nicht!“ Heutzutage scheint gefühlt jeder unter irgendeiner Form von Allergie oder Unverträglichkeit zu leiden. Auch unter meinem Schreibtisch sitzt ein Betroffener. Er verträgt kein Rind. Bekommt er Rind, kratzt er sich unaufhörlich und bekommt Durchfall, außerdem zeigt er Rückwärtsniesen → Begriff siehe Wiki).


Was ist eine Futtermittelintoleranz?

Man unterscheidet im Grunde genommen zwischen zwei Teilaspekten, wenn ein Tier bestimmte Nahrungsmittel oder Hundefutter allgemein nicht verträgt und zwar unter einer Allergie und einer Unverträglichkeit. Beide sind unter dem Oberbegriff Futtermittelintoleranz zusammengefasst, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Ursache. Eine Futtermittelallergie liegt dann vor, wenn der Körper aufgrund von immunologischen Reaktionen ein Futtermittel nicht verträgt. Echte Futtermittelallergien sind eher selten, meist handelt es sich um eine Unverträglichkeit. Dabei erfolgt keine Immunantwort, aber andere Ursachen wie z. B. ein Mangel an bestimmten Enzymen (Laktoseintoleranz aufgrund von Laktasemangel) oder eine Überempfindlichkeitsreaktion sind dafür verantwortlich, dass ein Nahrungsmittel nicht vertragen wird. Je nachdem, wie sich die Erkrankung äußert, wird meist die Haut und / oder das Verdauungssystem in Mitleidenschaft gezogen. Die Tiere leiden dann oftmals unter Juckreiz, Hautrötungen und Pusteln, oder aber unter Durchfall, Erbrechen, Sodbrennen und Blähungen und sogar Rückwärtsniesen. Einige Tierhalter machen auch die Beobachtung, dass das Fell ihrer Vierbeiner einfach nur übel riecht. Futtermittelintoleranzen können viele Gesichter haben.

Wie entsteht eine Futtermittelintoleranz?

Eine Futtermittelallergie entsteht dann, wenn unverdaute Futterproteine die Darmschleimhaut passieren und so zum Lymphsystem des Darms gelangen. Der Körper erkennt diese dann als Antigen und daraufhin finden gewisse Abwehrreaktionen statt, die zu den genannten Symptomen führen können.

Außerdem sind einige Rassen häufiger betroffen und das Alter des Tiers spielt ebenfalls eine Rolle – bei Vierbeinern unter einem Jahr ist die Häufigkeit höher. Vermutlich hat das etwas mit dem Aufbau der oralen Toleranz zu tun, denn der Körper eines Welpen muss lernen, welche Dinge „gut“ sind und welche abgewehrt werden müssen. Der Aufbau der oralen Toleranz kann dann gestört werden, wenn das Tier zu schnell mit zu vielen Futtermitteln auf einmal konfrontiert wird. Daher ist es sinnvoll, ein Hundebaby nach dem Absetzen von der Muttermilch Zutat für Zutat an feste Nahrung zu gewöhnen und nicht gleich einen Mix aus vielen Einzelstoffen, wie etwa in einem Fertigfutter üblich, anzubieten. Hier bietet BARF eine optimale Variante zum erfolgreichen Aufbau der oralen Toleranz und damit einer Risikosenkung im Hinblick auf eine Futtermittelintoleranz.

Bei einer Unverträglichkeit kommt es hingegen zu unspezifischen, entzündlichen Reaktionen. Das Risiko für die Entstehung einer Futtermittelintoleranz steigt, wenn schlechtverdauliche Proteine (z. B. aus Mais oder Tiermehl wie sie häufig im Fertigfutter vorkommen) in der Nahrung vorhanden sind oder aber die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erkrankungsbedingt erhöht ist. Auch in Futtermitteln wie Getreide vorkommende Stoffe wie z. B. Lektine schädigen die Darmschleimhaut und können zu lokalen Entzündungen führen.

Auch eine bakterielle Fehlbesiedlung im Darm (gestörte "Darmflora") kann Ursache für eine Unverträglichkeit sein. Dies kann unterschiedliche Gründe haben, die Gabe von Fertigfutter kann ebenso zu einer solchen Veränderungen der Mikrobiota führen wie eine Antibiose (= Behandlung mit Antibiotika) oder eine gänzlich unsachgemäße Fütterung.


Worauf reagieren die Hunde?

Prinzipiell kann ein Hund auf fast alles reagieren und es ist auch möglich, dass das Tier gar nicht auf ein Futtermittel selbst, sondern darin vorkommende „Mitbewohner“ wie z. B. Futtermilben oder Schimmelpilze reagiert oder die Reaktion sich gar nicht auf das Hundefutter sondern auf Umgebungsallergene wie Hausstaubmilben oder Pollen bezieht. Futtermittelintoleranzen richten sich am häufigsten gegen Rindfleisch und Weizen, aber auch gegen Lamm, Ei, Huhn, Soja und Futterzusatzstoffe. Ob ein Futtermittel problematisch ist, hat nicht unbedingt etwas mit dessen Zusammensetzung zu tun, sondern mit der Häufigkeit des Vorkommens. Daher unterscheiden sich die Allergene auch regional. In Regionen, in denen mehr Rind und Weizen zum Einsatz kommen, sind diese Futtermittel häufig betroffen, in Ländern, in denen eher Lamm und Reis im Futter vorkommen, eben diese. Das ist nachvollziehbar, denn ein Tier wird möglicherweise dann eine Futtermittelallergie entwickeln, wenn wie beschrieben, unvollständig verdautes Futterprotein zum Lymphsystem gelangt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das mit einem Futtermittel geschieht, was sich ständig in der Nahrung befindet, ist dann natürlich höher als bei Futtermitteln, die selten zum Einsatz kommen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Meistens beginnt eine lange Odyssee von Untersuchungen, wenn ein Tierhalter die genannten Symptome entdeckt. Der Grund dafür ist, dass eine Futtermittelintoleranz eine ähnliche Symptomatik hervorrufen kann wie andere Erkrankungen auch. Diese müssen dann zunächst ausgeschlossen werden, denn es gibt keinen schnellen Weg, eine Allergie zu diagnostizieren. Hat ein Hund z. B. Juckreiz, weil ein Flohbefall vorliegt oder Durchfall aufgrund einer Bauchspeicheldrüseninsuffizienz, so ist das mittels Inaugenscheinnahme oder Blut- bzw. Kotprobe verhältnismäßig leicht festzustellen. Bei einer Futtermittelintoleranz ist das nicht der Fall. Zwar bieten einige Tierarztpraxen Blutallergietests oder Bioresonanz an, aber die Ergebnisse solcher Untersuchungen sind nicht zuverlässig. Oftmals gibt es falschpositive Ergebnisse (es wird ein Futtermittel als problematisch eingestuft, ohne, dass das Tier tatsächlich darauf reagiert), sodass der Halter keinen wirklichen Anhaltspunkt hat, wie er mit dem Problem umgehen soll. Lediglich wenn keine Antikörper nachgewiesen werden, kann davon ausgegangen werden, dass das getestet Nahrungsmittel vertragen wird. Solche Tests sind daher nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Der einzige, wirklich zuverlässige Weg, um eine Futtermittelintoleranz festzustellen, ist daher eine Ausschlussdiät!

Wie wird eine Futtermittelintoleranz behandelt?

Im Grunde genommen ist die Behandlung einer Futtermittelintoleranz sehr einfach: Man muss das meiden, was der Hund nicht verträgt. Nur ist es nicht so einfach, dies zu identifizieren. Da es keine zuverlässigen Testverfahren gibt, muss man also jede Zutat, die der Vierbeiner zu fressen bekommt, einzeln testen. Das ist mit einem normalen kommerziellen Hundefutter, also Fertigfutter natürlich nicht möglich, weil die Einzelzutaten natürlich nicht separierbar sind.

In der Praxis wird daher meist eine Frischfütterung (BARF, Selbstgekochtes) in Form einer Ausschlussdiät angeraten, die mit einer Fleischsorte durchgeführt wird, die das Tier nach Möglichkeit noch nie bekommen hat. Dazu erhält der Vierbeiner eine Gemüse-Sorte, die ihm bis dato ebenfalls unbekannt war. Mögliche Fleischsorten sind z. B. Pferd, Wild, Ziege, Kaninchen, Rentier, Fische oder Exoten wie Strauß. Für Tiere, die gekochtes Futter bekommen, käme auch noch Schweinefleisch in Frage. Als Gemüsesorten können z. B. Süßkartoffel oder Kürbis eingesetzt werden. Früher wurde zu Kartoffeln geraten, aber diese sind heutzutage in vielen Fertigfuttersorten enthalten, weshalb man eine Ausweichmöglichkeit suchen sollte. Wichtig ist, dass man wirklich nichts Anderes füttert – keine Öle, keine Kräuter, keine Leckerlis! Man muss diesbezüglich sehr strikt sein, sonst findet man den Übeltäter nicht.

Von der jeweiligen Sorte sollten, wie bei BARF üblich, dann alle Teile gefüttert werden und nicht nur das Muskelfleisch. Auch Fett, Innereien und Knochen (letztere nur bei Rohfütterung, ansonsten erfolgt die Gabe von Calciumcitrat) können eingesetzt werden, sofern diese verfügbar sind. Das ist wichtig, denn eine Ausschlussdiät ist eher einseitig und kann je nach Symptomlage mehrere Wochen dauern. Im Zweifel sollte man sich daher lieber von einem zertifizierten Ernährungsberater begleiten lassen, um Nährstoffmängel zu vermeiden.

Sobald die Symptome zurückgegangen sind (bei denen, die die Verdauung betreffen, dauert das nicht so lange wie bei dermatologischen Symptomen), kann begonnen werden, ein neues Futtermittel zu testen. Beispielsweise würde der Hund, nachdem er einige Zeit lang nur Pferd und etwas Süßkartoffel bekam, dann mit einer beliebigen anderen Fleischsorte konfrontiert werden, z. B. mit Kaninchen. Treten die Symptome wieder auf, hat man ein Futtermittel als problematisch identifiziert und weiß, dass man es nicht mehr füttern darf und auf die Negativliste setzen kann. Verträgt das Tier die neue Zutat, kann man sie weiterhin anbieten. So geht man mit sämtlichen Zutaten vor, die gefüttert werden sollen, bis man sämtliche unpassenden Futtermittel ermittelt hat.

Es kann auch vorkommen, dass Hunde gar keine Futtermittelintoleranz gegenüber bestimmter Fleisch-, Getreide- oder Gemüsesorten haben, sondern lediglich Fertigfutter nicht vertragen. Wird ein solcher Fall bei einem Tier vermutet, kann zunächst eine Umstellung auf BARF oder Selbstgekochtes ausprobiert werden, bevor man den langen Weg einer Ausschlussdiät beschreitet. Dies ist oftmals schon die Lösung des Problems. Es kann manchmal auch hilfreich sein, eine „kleine Ausschlussdiät“ zu machen, also auf Verdacht für ein oder zwei Wochen die häufigsten bekannten Allergene (Rind, Weizen, Lamm, Huhn, Soja, Ei, Milchprodukte, Zusatzstoffe) zu meiden und erst bei weiterhin auftretenden Symptomen eine richtige Eliminationsdiät zu machen: Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Intoleranz eines der genannten Futtermittel betrifft, ist einfach sehr hoch.

Möglicherweise ist das Resultat einer Ausschlussdiät, dass das Tier nur sehr wenige Futtermittel verträgt. In diesem Falle ist eine Überprüfung des Nährstoffgehaltes der Ration anzuraten, um eine Mangelernährung auszuschließen. In einem solchen Fall helfen zertifizierte Ernährungsberater weiter oder wer selbst über tiefer gehende Kenntnisse verfügt, nutzt einen entsprechenden BARF-Rechner, z. B. diesen Nährwertrechner. Solange das Tier ein oder zwei Arten von „Beutetieren“ verträgt und davon auch möglichst viele Bestandteile beschaffbar sind (z. B. Muskelfleisch, Innereien, Knochen) ist die Sorge um eine Mangelernährung unbegründet. Es ist nicht notwendig, dass der geliebte Vierbeiner Fleisch von vielen Tieren und möglichst viele Zusätze zu sich nimmt, um ihn ausgewogen zu ernähren.

Wie ist die Prognose?

Betroffene Tiere, die täglich mit den Futtermitteln konfrontiert werden, die sie nicht vertragen, haben es nicht leicht. Quälender Juckreiz oder ständige schmerzhafte Durchfälle verschlechtern die Lebensqualität enorm. Manch ein Tier leidet jahrelang, bevor es gelingt, die Ursache des Unwohlseins zu identifizieren. Umso größer ist die Freude bei Mensch und dem geliebten Vierbeiner, wenn diese Probleme endlich ein Ende haben. Die Vierbeiner sind dann häufig wie ausgewechselt und zeigen ihre neu gewonnene Lebensfreude sehr deutlich. Solange die problematischen Futtermittel gemieden werden, ist ein Betroffener weder in seiner Lebensqualität, noch im Hinblick auf seine Lebenserwartung eingeschränkt. Zwar ist eine Futtermittelintoleranz meist eine chronische Erkrankung, aber da sie nicht dauerhaft medikamentös behandelt werden muss und bei Weglassen der Futtermittel, die nicht vertragen werden, sich auch nicht symptomatisch äußert, ist die Prognose sehr gut. Durch BARF hat jeder Allergiker eine Chance auf ein beschwerdefreies und glückliches Leben.



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