Sonntag, 21. August 2011

Die BARF „Todsünden“ – was sollte man nie tun?

 Barfen ist eigentlich eine ganz einfache Sache. Das Futter für den Hund selbst zusammen zu stellen, muss man nicht vermeintlichen Experten überlassen. Immerhin haben Hunde jahrtausendelang mit und neben dem Menschen gelebt und wurden ernährt – auch ohne industrielles Futter, ohne Nährwerttabellen und ohne Taschenrechner. Man muss keine Wissenschaft aus der Fütterung machen, es gibt aber einige Dinge, die man vermeiden sollte, weil sie zu Problemen führen können. Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Dinge, die man beachten sollte - sie fasst auch die häufigsten Anfängerfehler zusammen und hilft, grobe Fehler zu vermeiden.


Nie gekochte Knochen verfüttern - Lebensgefahr! 

Kocht man Knochen, so werden sie spröde und porös. Sie können splittern und lebensgefährlich sein. Knochen IMMER roh füttern.

Nicht einseitig füttern - Mangelernährung! 

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist der Grundstein für die Bedarfsdeckung aller lebenswichtigen Nährstoffe. Man sollte daher am besten Fleisch, Innereien und Knochen von 2 - 3 verschiedenen Tieren füttern und auch beim Gemüse oder Getreide immer unterschiedliche Sorten verwenden. Natürlich sollte man dabei auf Verträglichkeit achten. Die Fütterung von exotischen Fleischsorten ist nicht nötig. Es empfiehlt sich außerdem, sich eine Fleischsorte vorzubehalten, die man grundsätzlich nicht füttert (z. B. Pferd). Sollte der Hund mal eine Allergie entwickeln, kann man mit dieser Sorte eine Ausschlussdiät machen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Hund die Fleischsorte noch nie zu sich genommen hat.

Nicht zu energiearm füttern – Leber- und Nierenschäden! 

Jeder Organismus braucht Energie. Diese gewinnt der Hund am effizientesten und natürlichsten aus Fett. Viele Hunde vertragen aber auch Kohlenhydrate. Eiweiß soll nicht als Energiequelle dienen, weil bei der Verstoffwechselung von Eiweiß Abbauprodukte entstehen. Das ist völlig normal. Wenn der Hund aber überwiegend Eiweiß zur Energieversorgung nutzen muss, dann entstehen zu viele Eiweißabbauprodukte und das überfordert auf Dauer Leber und Nieren. Also niemals dauerhaft zu mageres Fleisch füttern. Das Fleisch sollte 15-25 % Fett enthalten. Ist dem nicht so, kann man ganz einfach Butter, Schweineschmalz oder andere Fette sowie auch Hirse oder Reis zufüttern. Fett ist für Hunde nicht schädlich. Man darf die menschlichen Ansprüche hier nicht auf den Hund übertragen. Ein Indiz für eine zu energiearme Ernährung ist die Futtermenge. Braucht der Hund bei normaler Aktivität auffällig viel Futter, dann sollte man dringend die Energiemenge im Futter überprüfen. Grundsätzlich gilt aber auch für jeden Hund: durchwachsenes Fleisch verwenden! Als kleine Orientierung mal folgendes Beispiel: Hunde brauchen z. B. im Schritt 4,2 kJ pro km pro kg KM im Schritt, 4,2 kJ im Trab und 5,6 kJ im Galopp. Wenn ein 25 kg Hund also 1h trabt und dabei ca. 15 km zurücklegt, dann braucht er dafür 1.600 kJ oder auch 41g Fett zusätzlich zum Grundumsatz.

Fleisch nie unter Luftabschluss auftauen lassen – Lebensgefahr!  

Das Bakterium Clostridium botulinum könnte sich im Fleisch vermehren und einen Giftstoff ausschütten, der für Hunde tödlich ist. Das Bakterium vermehrt sich aber nur unter Luftabschluss. Also einfach den Deckel der Fleischdose etwas öffnen
.

Kein Rohes Schweinefleisch füttern – Lebensgefahr! 

Es kann das Aujeszky-Virus enthalten, das eine für Hunde tödliche Krankheit hervorrufen kann. Das Virus stirbt allerdings ab, wenn man das Schweinefleisch lange genug kocht. Dann kann auch das verfüttert werden.

Kein Schilddrüsengewebe (Kehlkopf oder Kopffleisch-Mixe) füttern – Schädigung der Schilddrüse! 

Die darin enthaltenen Schilddrüsenhormone können die Funktion der Schilddrüse beeinflussen und bei Hunden eine eigentlich sehr seltene Schilddrüsenüberfunktion provozieren. Dies kann den gesamten Hormonhaushalt durcheinander bringen. Vor allem Hunde mit Schilddrüsenerkrankungen sollten gar keine Nahrungsmittel mit Schilddrüsengewebe zu sich nehmen. Am besten beim Fleischlieferanten nachfragen, ob die Schilddrüse bei entsprechenden Fleisch-Mixen entfernt wurde. Bei Geflügel befindet sich die Schilddrüse übrigens nicht im oberen Bereich des Halses, sondern weiter unten, in Richtung Brust.

Wenig jodhaltige Algen füttern – Schädigung der Schilddrüse! 

Jod hat einen großen Einfluss auf die Schilddrüse. Hunde tolerieren zwar auch große Mengen an Jod (bis zu 85 mcg/kg KM und Tag gelten als ungefährlich), aber viele Lebensmittel sind in Deutschland bereits mit Jod angereichert und eine Überversorgung kann eine Schilddrüsenunterfunktion herbeiführen. Man sollte lieber nachrechnen, wie viel Jod man mit den Algen zuführt und nicht einfach Pi mal Daumen einen EL über´s Futter geben.

Zusätze in Maßen füttern - Überversorgung! 

Es gibt allerlei Zusätze, die man einem Hund als Barfer verabreichen kann. Aber man sollte diese unbedingt sparsam und mit Verstand einsetzen. Lebertran z. B. enthält sehr viel Vitamin A und D. Diese beiden Vitamine sind nicht wasserlöslich und können daher überdosiert werden. Vorsicht ist auch bei calciumhaltigen Zusätzen wie Muschelkalk oder Eierschalenpulver geboten. Auch Kräutermixe enthalten oft sehr viel Calcium. Heilkräuter sollte man nur zweckmäßig einsetzen und niemals dauerhaft füttern. Selbst hochwertige Öle sollte man nicht in großen Mengen füttern, da der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren den Vitamin E Bedarf des Hundes erhöht. Besser die Packung genau studieren und im Zweifel auf unnötige Zusätze verzichten.

Nicht unverhältnismäßig füttern – Mangelernährung / Überversorgung! 

Man sollte bei der Zusammenstellung der Rationen auf gewisse Verhältnisse achten. Der Anteil an tierischen Zutaten sollte bei 70 – 80 % liegen und zu 50 % aus Muskelfleisch, 20 % aus grünem Pansen/Blättermagen, 15 % aus Innereien und 15 % aus rohen fleischigen Knochen bestehen. Wenn man dieses Verhältnis einhält (es orientiert sich am Beutetier), stellt man eine optimale Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sicher. Füttert man aber z. B. zu viele Knochen, dann nimmt der Hund zu viel Calcium zu sich und das führt dann zu Nierenerkrankungen, Magnesiummangel oder Gelenksfehlbildungen. Außerdem begünstigt eine sehr calciumhaltige Ernährung Magendrehungen. Ebenso verhält es sich mit der Gabe von zu vielen oder zu wenigen Innereien. Führt man z. B. in viel zu großen Mengen Leber zu, so nimmt der Hund zu viel Vitamin A zu sich. Füttert man zu wenig, fehlen dem Hund wertvolle Vitamine. Das kann aber nicht passieren, wenn man die o.g. Verhältnisse einhält. Diese Excel-Tabelle hilft bei der Berechnung.

Wenig thiaminasehaltigen, rohen Fisch füttern – Vitamin B Mangel! 

Thiaminase vernichtet das Vitamin B1 und ist z. B. in Karpfen, Hering, Hecht, Kabeljau, Flunder oder Thunfisch enthalten. Füttert man zu viel und dauerhaft derartige Fische, kann ein Vitamin B Mangel entstehen. Gibt man dem Futter gleichzeitig Bierhefe hinzu, kann man den Verlust wieder ausgleichen. Thiaminase wird durch Erhitzen zerstört.

Wenig oxalsäurehaltige oder phytinsäurehaltige Nahrungsmittel füttern – Calciummangel! 

Oxalsäurehaltige Lebensmittel wie Mangold, Spinat, Grünkohl, Rharbarber und Amaranth sollte man in Maßen füttern, da sie die Aufnahme von Calcium hemmen. Gleiches gilt für phytinsäurehaltige Nahrungsmittel wie Getreide.

Schlussendlich sollte man natürlich auch beachten, dass es einige Lebensmittel gibt, die schlichtweg giftig für Hunde sind. Hier gibt es eine Liste dieser Dinge.

Eine ganz schön lange Liste, oder? Aber keine Sorge, daran gewöhnt man sich schnell. Das Wort "Todsünden" ist dabei auch sicher etwas übertrieben. Bei einigen der genannten Dinge ist die Gefahr nicht besonders groß bei anderen muss man eher aufpassen, weil sie recht häufig vorkommen und fatale Konsequenzen haben können.

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