Sonntag, 22. Mai 2011

BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden.

BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch enthält Krankheitserreger, die dem Hund schaden


Es wird immer wieder behauptet, dass rohes Fleisch für Hunde schädlich sei, weil es Krankheitserreger enthält, die für Hunde sehr gefährlich sind. Nicht nur der Hund würde durch die Fütterung von rohem Fleisch geschädigt, nein, wenn der Hund mit diesen Erregern infiziert ist, steckt er damit automatisch auch seine menschlichen Gefährten an.

Nun, eins ist sicher: rohes Fleisch ist mit Sicherheit nicht keimfrei. Die Frage ist daher eher, ist es für Hunde wirklich schädlich, dieses Keim behaftete Fleisch zu fressen? Oder ist das Verdauungssystem eines Karnivoren etwa auf die Verdauung von rohem Fleisch eingestellt?

Kritische Betrachtung einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema

Um die Behauptung der Gefährlichkeit des rohen Fleisches und die Folgen von dessen Konsum zu untermauern, werden wissenschaftliche Arbeiten herangezogen. Aber was beweisen diese Arbeiten eigentlich? Liefern sie geeignete Hinweise? Ein gutes Beispiel hierfür ist die folgende Dissertation: „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“.

Die Autorin führt an, dass „Lebensmittelbedingte Infektionen mit thermotoleranten Campylobacter spp., Salmonella spp., Yersinia enterocolitica und EHEC […] zu den häufigsten Erregern von Durchfallerkrankungen bei Mensch und Tier in Deutschland“  zählen und dass eine „wichtige Quelle für die Infektion mit diesen Erregern […] in vielen Fällen der Verzehr von  Rohfleischprodukten, nicht ausreichend erhitzten Lebensmitteln oder kontaminierten Lebensmitteln oder auch der Kontakt mit infizierten Tieren.“ sei.1

Um diese These zu belegen, wurden 150 an Durchfall erkrankte Tiere und 150 gesunde Haustiere untersucht. Darunter befanden sich 50 Hunde, die an Durchfall litten und 50 gesunde Hunde.2

Die Halter dieser Tiere wurden mittels Fragebogen zu den Ernährungsgewohnheiten und anderen Eckdaten ihrer vierbeinigen Lieblinge befragt. Der Fragebogen enthielt im Hinblick auf die Fütterungsgewohnheiten folgende Antwortmöglichkeiten:

  • "Fertigfuttermittel (z.B. Dosenfutter, Trockenfutter)
  • Rohfleisch (z.B. Fleischknochen, Hackfleisch,Innereien)
  • Rohwurstprodukte (z.B. Mettwurst, Salami, roher Schinken)
  • erhitzte Wursterzeugnisse: Brühwurst, Kochwurst (z. B. gekochter Schinken, Leberwurst, Weißwurst, Presssack)"3

Anhand dieser Befragung wurden die Hunde in 3 Gruppen eingeteilt: Hunde, die mit rohen Produkten, erhitzten Produkten oder Futter unbekannter Herkunft ernährt wurden. Ein Blick in den Anhang der Dissertation verrät, dass jeder Hund, der Rohfleisch oder Rohwurstprodukte bekam, in die Gruppe der roh ernährten Hunde eingestuft wurde, ohne eine Gewichtung vorzunehmen.4 D. h. ein Hund, der ausschließlich rohes Fleisch und ab und zu mal ein Trockenfutter-Leckerli bekommt, gilt ebenso als roh ernährt wie ein Hund, der ausschließlich Trockenfutter frisst und vom Tisch mal ein Stück Salami bekommt. Ist eine solche Einteilung methodisch überhaupt trennscharf? Schließlich erhält man in Bezug auf die Ernährung der Tiere m. E. so keine abgrenzbare Vergleichsgrundlage. Und wäre es nicht ohnehin sinnvoller, die Faktoren isoliert zu betrachten, die in Verdacht stehen, ein Vorliegen pathogener Erreger zu begünstigen?

Die Kotproben sämtlicher Hunde wurden auf verschiedene pathogene Erreger untersucht. „Die Ergebnisse aller Untersuchungen ergaben, dass von 50 an Durchfall erkrankten Hunden 17 Hunde (34%) positiv auf ein oder zwei Pathogene getestet wurden. Neun der 17 positiven Hunde (53%) wurden mit Rohfleisch gefüttert. Insgesamt wurden 24 von 50 Hunden (48%) mit rohen Fleischprodukten gefüttert; von diesen 24 waren neun Hunde (37,5%) Pathogen positiv, 15 der 24 mit Rohfleisch gefütterten Hunde (62,5%) waren Pathogen negativ. 49 Hunde (98%) hatten die Möglichkeit zu Freilauf, darunter alle 17 positiven Hunde (100%).“5



Nun wird es verwirrend, denn die Begriffe Rohfleisch und Rohwurst werden verwechselt bzw. synonym verwendet. Oder die Autorin hat sich verzählt, denn aus ihrer Auswertungstabelle im Anhang gehen lediglich 4 von 17 positiv getesteten Hunden hervor, die Rohfleisch bekommen hatten. Demzufolge wurden nur 8 % der erkrankten Tiere, die Rohfleisch bekommen hatten, positiv auf pathogene Erreger getestet.

Und selbst wenn man nun Salami auch noch zu rohem Fleisch zählt, dann haben 53 % der positiv getesteten Hunde rohe Produkte und 47 % erhitzte Produkte erhalten. Ob diese Abweichung statistisch überhaupt relevant ist, lässt die Autorin offen, denn auf eine statistische Untersuchung hat sie schlichtweg verzichtet. Ich habe jedoch große Zweifel, dass hier ein statistisch signifikantes Ergebnis vorliegt, denn die Stichprobe ist im Vergleich zur Grundgesamtheit doch sehr klein und der prozentuale Unterschied ist gering. Außerdem erwähnt die Autorin zwar, dass 37,5 % der mit rohen Produkten gefütterten Hunde positiv auf pathogene Erreger getestet wurden, sie verschweigt aber, dass 40 % der mit erhitzten Produkten gefütterten, kranken Hunde auch positiv getestet wurden. Wieso bloß?

Aber was macht die Gruppe der gesunden Hunde? „In der Gruppe der gesunden Gegenkontrollen wurden 11 der 50 Hunde (22%) positiv auf mindestens ein Pathogen getestet. 4 der 11 positiven Hunde (36%) wurden mit Rohfleisch gefüttert. Insgesamt wurden 5 Hunde von 50 (10%) roh gefüttert; von diesen 5 waren 4 Pathogen positiv (80%), einer der mit Rohfleisch gefütterten Hunde war Pathogen negativ (20%). 45 Hunde (90%) hatten die Möglichkeit zu Freilauf, darunter 9 (86%) der 11 positiven Hunde“5

Abgesehen davon, dass ich die 11 positiv getesteten Hunde in der Tabelle nicht finden konnte (ich zählte nur 9 - hier liegt wohl ein Übertragungsfehler vor), geht aus der Auswertung hervor, dass 64 % der positiv getesteten Hunde keine rohen Produkte bekamen, 36 % hatten Rohprodukte gefressen. In diesem Fall war das Verhältnis also umgekehrt: mehr Hunde, die erhitzte Produkte bekommen hatten, wurden auf pathogene Erreger positiv getestet. Auf diesen Aspekt geht die Autorin nicht weiter ein, sie erwähnt lediglich, dass 80 % der mit Rohfleisch ernährten Hunde positiv getestet wurden.

Letztendlich schlussfolgert die Autorin: „Ein Rückschluss, den man aus den eigenen Ergebnissen ziehen kann ist, dass mit Rohfleisch gefütterte Hunde öfters an Durchfall leiden. Rohfleischfütterung scheint außerdem ein großes Risiko für Infektionen von Hunden mit Pathogenen zu sein. Hunde, die nicht mit Rohfleisch gefüttert wurden hatten im Großteil die Möglichkeit zu Freigang und da die Möglichkeit, sich über andere Kontaminationsquellen, wie verdorbenes Fleisch, kontaminiertes Wasser oder Wildtiere zu infizieren.“ 6

Welche Fragen bleiben offen?

Die Gruppierung der Hunde (roh ernährt, nicht roh ernährt) ist m.E. fragwürdig, denn auch Hunde, die theoretisch zu 99 % mit erhitzten Produkten und zu 1 % mit rohen Produkten ernährt wurden, werden der Gruppe "roh ernährt" zugeordnet, weil der Fragebogen keine Gewichtung vorsieht.

Außerdem grenzt die Autorin die Begriffe Rohwurst und Rohfleisch nicht klar voneinander ab, sondern verwendet sie teilweise synonym.

Zudem wurden die Ergebnisse nicht statistisch ausgewertet. Man kann nicht einfach aus "53 % ist größer als 47 %" eine Schlussfolgerung ziehen, ohne die Werte auf ihre statistische Signifikanz hin untersucht zu haben. Das ist unwissenschaftlich!

Wieso ist nur der Freilauf der nicht mit rohen Produkten gefütterten Hunde relevant? Immerhin hatten fast alle Hunde Freilauf. Dass der Freilauf nur bei den mit erhitzten Produkten ernährten Hunden relevant für deren Infektion mit pathogenen Erregern sein soll, nicht aber für die Tiere, die rohe Produkte erhielten, erscheint mir sehr inkonsequent.

Woher wissen wir, dass die Zusammensetzung der Gruppe der gesunden Hunde (86 % erhitzte Produkte, 8 % Rohprodukte, 6 % unbekannt) und der erkrankten Hunde (40 % erhitzte Produkte, 48 % Rohprodukte, 12 % unbekannt) nicht völlig willkürlich gewählt war? Leiden Hunde, die Rohprodukte verzehren wirklich viel häufiger an Durchfall oder wurde die Gruppe der an Durchfall erkrankten Hunde absichtlich so zusammengestellt? Letzteres würde die Auswerung natürlich etwas verzerren.

Ich sage nur: Traue nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

Der Hund und seine Magensäure

Zweifelsohne werden Hunde tagtäglich mit pathogenen Erregern konfrontiert und diese befinden sich auch in der Nahrung. Wie aber ist der hündische Körper dagegen gewappnet?

Meyer/Zentek bezeichnen den hohen Salzsäuregehalt des Magensaftes unserer vierbeinigen Freunde als „bemerkenswert“. Der ph-Wert des Magensaftes kann nämlich in Abhängigkeit von Futterzusammensetzung und Futtermenge einen Wert von 1 erreichen.  Fleisch, Fleischbrühe und sogar Wasser stimulieren die Magensäureproduktion, während  Zucker, Brot (Getreide) und Kartoffeln sie eher hemmen. Auch pflanzliche Eiweiße wie z.B. Soja haben eine weniger stimulierende Wirkung als Fleisch.7

Nun nimmt der Hund mit BARF ja sehr viel Fleisch und eher wenig zuckerhaltige Produkte zu sich, demzufolge sollte der ph-Wert des Magensaftes eines mit Fleisch ernährten Hundes während des Verdauungsprozesses sehr niedrig sein. (Im Gegensatz zu einem Hund, der eine auf Getreide basierende Nahrung zu sich nehmen muss.)

Und wie gefällt das den pathogenen Keimen? Campylobacter spp. fühlen sich bei einem ph-Wert von unter 5,5 und über 9,0 nicht wohl. Salmonella spp. tolerieren ph-Werte zwischen 4 bis 9,6. Yersinia enterocolitica vermehrt sich hervorragend zwischen ph-Werten über 4,4 und unter 9. Und E. coli Bakterien lieben ph-Werte zwischen 4,0 und 9,5.8

Was geschieht wohl mit diesen pathogenen Erregern, wenn sie mit dem sehr  niedrigen ph-Wert im Magen eines mit Fleisch ernährten Hundes konfrontiert werden? Genau, sie werden inaktiviert.

Man sollte offenbar vermeiden, Hunden ein Futter zu geben, welches kein Wasser enthält (z. B. Trockenfutter), welches wenig Fleisch enthält (z. B. Trockenfutter) oder welches viel Getreide enthält (z. B. Trockenfutter), da sonst nicht gewährleistet werden kann, dass eine ausreichend hohe Konzentration an Salzsäure im Magensaft vorhanden ist, was wiederrum ein Überleben von pathogenen Erregern begünstigt.

Ergebnis der Betrachtung

Man sollte sich auch wissenschaftliche Arbeiten genau hinsehen, bevor man ihnen Glauben schenkt. Die ausgewertete Arbeit beweist aus meiner Sicht nicht, dass der Verzehr von rohem Fleisch unweigerlich schwere Konsequenzen nach sich zieht. Dennoch stützen Tierärzte und Futtermittelhersteller ihre Argumentation auf derartige Arbeiten und schlussfolgern ganz selbstverständlich, dass rohes Fleisch für eine Art von Kaniden gefährlich sei, nämlich für den Haushund.

Offensichtlich besitzt ein gesunder Hund, der mit Fleisch ernährt wird, einen Magensaft, der pathogenen Erregern kein gutes Überlebensklima bietet. Alles andere wäre auch merkwürdig, denn es gibt auf dieser Welt 270 Arten von Raubtieren, die seit Jahrmillionen ausschließlich rohes Fleisch und teilweise sogar Aas zu sich nehmen. Nur für ein oder zwei Arten (Haushund, Hauskatze) soll diese Form der Ernährung seit kurzem gefährlich sein. Man darf nicht vergessen, dass der Haushund industrielles Futter erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges in großer Ausbreitung (in Teilen der Erde bis heute nicht) kennt9 und sich jahrtausendelang mit rohen Schlachtabfällen, Essensresten und Müll „begnügen“ musste. Welcher Bauer hatte bitte schön Zeit, das Fleisch für seine 2 großen Rottweiler zu kochen? Das wurde natürlich roh serviert!

Wären Raubtiere nicht längst ausgestorben, wenn der Verzehr von rohem Fleisch für sie derart gefährlich wäre?

Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass Millionen von Menschen sich täglich gefährliche Rohwurstprodukte auf ihre Brote legen und nicht nur das: Was ist mit Sushi, Carpaccio oder einem leckeren Mettbrötchen? Das sind Nahrungsmittel, die Tag ein Tag aus millionenfach konsumiert werden, ohne dass dies unweigerlich zu schweren Erkrankungen führt.

Sicherlich, wer sich einen Hund ins Haus holt, wird automatisch mit einer Vielzahl von pathogenen Erregern konfrontiert. Ein Hund ist nun einmal nicht keimfrei, genau so wenig wie eine Notebooktastatur, die man im Zweifel genau so wenig ablecken sollte wie einen Hund... Daher sollte beim Thema Hund lieber ein Auge auf den hygienischen Umgang mit Tier und Futter haben, an Stelle natürliche Nahrung als etwas Gefährliches zu verteufeln.

Und wenn man schon verteufelt, dann bitte flächendeckend, denn nicht nur rohe Produkte enthalten pathogene Erreger: Allein in Kanada und den USA wurden in den letzten Jahren 12 Rückrufaktionen für mit Salmonellen kontaminiertem Fertigfutter durchgeführt.10

Fazit

Rohes Fleisch stellt seit Jahrmillionen die natürliche Nahrungsgrundlage von allen Raubtieren dar. Der nächste Verwandte des Hundes, der Wolf, frisst bei identischem Verdauungssystem ausschließlich rohe Nahrungsmittel. Das mag zwar kein Beweis für die Ungefährlichkeit von frischem, rohem Fleisch für den Hund sein, aber es ist wohl mehr als nur ein Indiz...

Weitere BARF-Mythen?

BARF Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv


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_________________
1 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 1.
2 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 45 ff.
3 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 106.
4 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 107-114.
5 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 59.
6 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 74.
7 Meyer/Zentek (2005):  Ernährung des Hundes, S. 25.
8 Brinkmann, A. (2007): Vorkommen und Kontrolle lebensmittelrelevanter Mikroorganismen und Verbreitung von Shiga Toxin- bildenden Escherichia coli in verschiedenen Stadien der Rohwurstherstellung aus konventioneller und ökologischer Produktion, S. 13.
9 Thurston, M.E. (1996):  „The Lost History of the Canine Race“, S. 237.
10 Nestle, M. (2008):  „Pet Food Politics“, S. 18-19.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Happy Birthday Bayo!

Mein lieber Bayo, heute ist Dein 2. Geburtstag. Wir wünschen Dir alles Gute, viel Spaß und vor allem Gesundheit für Deinen weiteren Lebensweg.

Wir hatten ein tolles gemeinsames Jahr: über 8.400 Stunden haben wir gemeinsam auf Spaziergängen, Fahrradfahrten, kuschelnd auf dem Sofa, einfach schlafend oder im Büro arbeitend verbracht. Im Sommer sind wir gemeinsam geschwommen und im Winter hast Du gelernt, Dein Frauchen auf einem Dog Scooter zu ziehen. Du bist unser Clown, unser Beschützer, unsere Schönheit, unser Sonnenschein, unser Schoßhund und unser Kuscheltier. Du frisst uns die Haare vom Kopf und bringst uns jeden Tag zum Lachen. Für kein Geld der Welt würden wir Dich hergeben. Wir hoffen, dass wir Dich noch sehr lange an unserer Seite haben dürfen.

Natürlich gibt es auch Geschenke: einen Leber-Dinkel-Haselnuss-Kuchen sowie getrocknete Rinderkopfhautstücke. Lecker!

Herzlichen Glückwunsch auch an die Mashanga-Geschwister: Bayo, Bakari, Bakiri, Bhanu, Badu, Bahiya, Badawi, Boma-Sharif, Beyla und Banjoko.

Das letzte Jahr in Bildern:

Juni 2010: Bayo am See

Juli 2010: Bayo im Garten
August 2010: Mal eine Ganzkörperaufnahme

September  2010: Bayo am Mittelmeer

Oktober 2010: Bayo hat etwas entdeckt

November 2010: Bayo sieht gern fern

Dezember 2010: Bayo spielt im Schnee

Januar 2011: Bayo hat alles im Blick

Februar 2011: Bayo im Wald

März 2011: Bayo beim Spiel mit der Reizangel

April 2011: Bayo hat sich an der Pfote verletzt
und muss Schuhe tragen - er nimmt das tapfer hin



Mai 2011: Bayo genießt die Sonne

Samstag, 14. Mai 2011

BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden. Gehen wir den Vorurteilen doch mal auf den Grund und schauen sie uns etwas genauer an. Denn meistens sind sie wirklich frei erfunden und verunsichern Tierhalter nur sinnlos...

BARF-Mythos #2: Barfen sei viel teurer als den Hund mit Fertigfutter zu ernähren

Es wird immer wieder behauptet, dass BARF gegenüber Fertigfutter einfach viel zu teuer wäre. Die monatlichen Kosten wären kaum tragbar, vor allem für große Hunde wie Rhodesian Ridgebacks. Aber stimmt diese Aussage wirklich? Und wenn ja, wie kommt das? Ein Vergleich fällt hier sehr leicht, denn jeder Hersteller gibt entsprechende Fütterungsempfehlungen bekannt, die Preise der Futtersorten sind ebenfalls leicht zusammen zu tragen und so kann man eine ganz einfach eine Vergleichskalkulation erstellen:

Kosten mit BARF

Bayo frisst monatlich 6 kg Muskelfleisch (2,80 €/kg), 2,8 kg Pansen (1,55 €/kg), 2 kg Innereien (1,50 €/kg),  2 kg rohe fleischige Knochen (1,50 €/kg), 3 kg Obst/Gemüse (2,00 €/kg), etwas über 1 kg Butter oder Schweineschmalz (5,13 €/kg), 500 g Hirse (4,00 €/kg) oder 2kg Kartoffeln (1,20 €/kg) und dazu noch etwas Öl oder Kräuter. Die Knochen und das Fett bekomme ich eigentlich geschenkt, weshalb meine Kosten noch etwas geringer sind, aber grundsätzlich kann man sagen:

⇒ Monatliche Kosten: 45 €


Kosten mit Trockenfutter

Auf dem Fertigfutter-Markt gibt es eine nahezu unendliche Auswahl an Trockenfuttern – vom so genannten Supermarkt-Futter bis hin zur Premiumqualität. Die Preise für die einzelnen Futtersorten unterscheiden sich sehr stark. Daher erstelle ich mal eine Übersicht verschiedener Trockenfuttersorten:
  • Pedigree Complete Adult Maxi mit Geflügel & Reis (2,00 €/kg), 400 g/Tag = 25,20 €
  • Marengo Premium (3,89 €/kg), 400 g/Tag = 46,68 €
  • Platinum Adult Lamb & Rice (3,53 €/kg), 460 g/Tag = 48,71 €
  • Orijen Adult (5,11 €/kg), 400 g/Tag = 61,32 €
  • Hill's Canine Adult Large Breed Huhn (4,04 €/kg), 405 g/Tag = 49,09 €
  • Lupovet Poulet Suisse (4,07 €/kg), 420 g/Tag = 51,28 €

⇒ Monatliche Kosten: 25–58 €

Kosten mit Dosenfutter

Auch Feuchtfutter gibt es in unterschiedlichen Preiskategorien, meist ist es deutlich teurer als Trockenfutter, es enthält jedoch oftmals auch viel mehr Fleisch:
  • Pedigree Pur (2,50 €/kg), 1.600 g/Tag = 112,00 €
  • Marengo Wolfshappen (6,50 €/kg), 600 g/Tag* = 109,20 €
  • Terra Canis (4,70 €/kg), 760 g/Tag = 100,02 €
  • Lunderland (4,00 €/kg), 760 g/Tag* =  85,12 €
  • Hill's Canine Adult (5,40 €/kg)), 1.875 g/Tag = 283,50 €
*kein Alleinfutter, weitere Kosten für Gemüse + Mineralstoffmischung kommen hinzu, ca. 10 €/Monat


⇒ Monatliche Kosten: 95–240 €


Kritische Betrachtung

Die Zusammensetzung

Wie man sieht, bestehen deutliche Preisunterschiede zwischen den einzelnen Futtersorten und Fütterungsarten. Wie kommt es aber dazu? Ganz einfach, wenn ein Futter zu einem sehr günstigen Preis angeboten wird, dann enthält es schlichtweg wenig der preistreibenden Komponenten im Futter: Fleisch & Co. Das macht natürlich den Vergleich der Futtersorten einzig und allein bezogen auf den Preis etwas schwierig. Ein Vergleich der eingesetzten tierischen Komponenten im Futter gibt jedoch Aufschluss:

BARF: 77%

Trockenfutter:
  • Pedigree Complete Adult Maxi mit Geflügel & Reis: keine Angabe, Hauptbestandteil Getreide
  • Marengo Premium: 60 % (in der Feuchtsubstanz)
  • Platinum Adult Lamb & Rice: 70 %
  • Orijen Adult: 70 %
  • Hill's Canine Adult Large Breed Huhn: 30 %
Dosenfutter:
  • Pedigree Pur: 60 %
  • Hill's Canine Adult: 12 %
  • Marengo Wolfshappen: 70 %*
  • Terra Canis: 50 %
  • Lunderland: 70 %*
*kein Alleinfutter: Gemüse muss hinzugefügt werden, ca. 30%

Wenn man nun z. B. BARF mit dem preiswerten Trockenfutter von Pedigree vergleichen will, dann vergleicht man Äpfel mit Birnen, denn das Trockenfutter von Pedigree enthält kaum Fleisch & Co.: es besteht zum Großteil aus Getreide und bei dem enthaltenen tierischen Anteil weiß man nicht, ob es sich um wertvolle Bestandteile handelt, oder einfach nur bindegewebsreiche Schlachtabfälle. Würde man eine BARF-Mahlzeit erstellen, die nur 10 % Fleisch enthält und zu 90 % aus Reis besteht, dann wäre diese noch billiger als das billigste Trockenfutter….


Die Deklaration

Selbst bei den hochwertigen Futtersorten (Anteil tierischer Erzeugnisse > 50%) muss man aufpassen, denn die Angabe des Fleischanteils ist oft irreführend. Einige Hersteller wiegen den Fleischanteil als Feuchtmasse, den Getreide-Anteil allerdings als Trockenmasse: so verschiebt sich das Ergebnis natürlich zugunsten des angegebenen Fleischanteils.

Hier ein kleines Rechenbeispiel dazu:
Eine Futterration besteht in der Feuchtmasse aus 200 g Hirseflocken und 800 g Fleisch. Sie enthält somit     80 % Fleisch. Verarbeitet man diese Masse nun zu einem Trockenfutter, dann erhält man ca. 600 g einer trockenen Masse, die zu 200 g aus Hirseflocken und nur noch 320 g aus Fleisch besteht. Dieses Trockenfutter hat also bei einer Betrachtung der Trockenmasse nur noch 62 % Fleisch. Bei BARF ist es übrigens umgekehrt, denn Gemüse/Obst enthält noch mehr Wassser als Fleisch: 200 g Gemüse und 800 g Fleisch ergeben in der Trockenmasse ein Verhältnis von 91 % Fleisch zu 9 % Gemüse.

Außerdem weiß man leider selten, welche tierischen  Komponenten im Fertigfutter vorkommen und selbst wenn die Hersteller die Inhaltsstoffe offen deklarieren, sind die Inhaltsstoffe nicht immer wirklich ernährungsphysiologisch sinnvoll für den Hund. Marengo Premium ist z. B. im Vergleich zu BARF preiswerter und es enthält auch 60 % tierische Zutaten (jedenfalls in der Feuchtsubstanz), aber die bestehen fast ausschließlich aus Rindergrieben. Das sind s. g. bindegewebsreiche Schlachtabfälle, die man gemäß wissenschaftlicher Erkenntnisse1 nur in Maßen füttern sollte.

Eigentlich ist BARF nur mit s. g. Vollfleischdosen vergleichbar, bei denen man wirklich weiß, welche Zutaten verarbeitet wurden und mit denen man einen wirklich hohen Fleischanteil im Futter sicherstellen kann: aber wie die Berechnung zeigt, ist die Fütterung derartiger Dosen deutlich preisintensiver als BARF.


Kann gutes Futter wirklich billig sein?

Dass BARF eigentlich gar nicht teurer sein kann als ein wirklich vergleichbares, hochwertiges Futter mit einem hohen Fleischanteil, hat einen ganz einfachen betriebswirtschaftlichen Hintergrund:

Wenn man 1 kg Fleisch kauft, zahlt man dafür eben ca. 2,80 €/kg. Als Trockenmasse kostet 1 kg Fleisch dann ca. 6,50 €. Ein Futtermittelhersteller verfügt sicherlich über andere Einkaufskonditionen, aber auch er wird das Fleisch nicht geschenkt bekommen. Der Hersteller muss die Zutaten verarbeiten, in Dosen abfüllen oder zu Brocken pressen, das Produkt verpacken und lagern. Er muss das Futter vermarkten (hat also Marketing- und Vertriebsausgaben) und es von A nach B transportieren lassen. Dadurch entstehen entsprechende Kosten, die natürlich auf das Produkt umgelegt werden. Außerdem möchte der Hersteller natürlich gern noch etwas an dem Futter verdienen - ein weiterer Preisaufschlag. Der Händler, an den der Hersteller das Futter vertreibt, hat auch gewissen Kosten (Lagerkosten, Personalkosten, etc.) zu decken und so nimmt auch er einen Preisaufschlag vor. Diese Aufschläge spiegeln sich in jedem Futter wider.

Wie soll es also möglich sein, dass der Kilopreis eines Futters preiswerter sein soll als unverarbeitetes Fleisch (1 kg Trockenfleisch = 6,50 €)? Das ist schlichtweg nicht möglich und deswegen ist die Ursache für geringe Preise auch schnell identifiziert: zu wenig Fleisch im Futter.

Fazit

Wie die Berechnung zeigt, liegen die absoluten monatlichen Kosten mit BARF eher im Mittelfeld. Was man jedoch bedenken sollte, ist die Zusammensetzung des Futters. Hunde sind bekanntermaßen Karnivore, d. h. sie ernähren sich hauptsächlich von Fleisch & Co. Sie fressen natürlich auch andere Futterkomponenten, aber tierische Bestandteile sollten den Hauptteil der Nahrung ausmachen. Das gewährleisten nur Futtersorten, die noch teurer sind als BARF...

Ergo: BARF ist preiswerter als vergleichbare Fertigfutter!

Weitere BARF-Mythen?
BARF-Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv

_________________
1 Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S.102 f.: "... Die genannten bindegewebsreichen Schlachtabfälle [u.a. Grieben] sind weniger wertvoll als die Mägen [Pansen, Blättermagen]. Sie sind zwar eiweißreich, doch das Eiweiß hat eine weniger günstige Aminosäurenzusammensetzung und wegen kreuzförmiger Vernetzung der Eiweißfäden auch eine geringere Verdaulichkeit. [...] Die Mineralstoff- und Vitaminausstattung ist ungünstiger als beim Fleisch. [...] Bei einseitiger Fütterung steigt der Besatz an Clostridien, auch im Dünndarm, außerdem kommt es infolge verstärkter mikrobieller Umsetzungen im Dickdarm zu Flatulenz und schmierigem, übel riechendem, oft dunkel bis schwarz gefärbtem Kot. In der Ration sollten nicht mehr als 4-5 g Trockensubstanz/kg KM/Tag aus diesen Produkten stammen."

Samstag, 7. Mai 2011

BARF Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden.Gehen wir den Vorurteilen doch mal auf den Grund und schauen sie uns etwas genauer an.

BARF Mythos #1: Beim Barfen nimmt der Hund aufgrund der hohen Fleischmenge zu viel Eiweiß zu sich das schädigt die Leber und die Nieren.

Zu finden z.B. auf der Website des Futtermittelherstellers Marengo:
"Leider gibt es aber auch eine Schattenseite dieser Art von Fütterung. Der Eiweissanteil einer BARF-Ration ist bedingt durch die hohe Fleisch- bzw. Eiweissmenge sehr erhöht. Letztendlich kann dies zu einer Eiweissüberversorgung führen, die mit den dafür typischen Symptomen einhergeht (siehe Leber- und Nierenstörungen im Vergleich)."1
Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Aussagen wird nicht geliefert. Die Behauptung wird unbegründet in den Raum gestellt. Betrachten wir das Argument mal genauer und beginnen mit der Behauptung, dass eine Überversorgung mit Eiweiß, die Nieren und die Leber schädigt.

Dem Buch "Ernährung des Hundes" von Helmut Meyer und Jürgen Zentek (ein Werk, was jeder Tierarzt und jeder Futtermittelhersteller selbstverständlich mehr als einmal gelesen haben sollte) ist zu entnehmen:
"Die Frage, inwieweit eine längerfristige massive Eiweißüberversorgung zu einer Organschädigung insbesondere der Leber oder der Niere führen kann, ist umstritten..."2
Es ist also umstritten, ob eine MASSIVE Eiweißüberversorgung überhaupt schädlich ist. Die Frage ist jetzt also, was genau bedeutet massiv und liefert BARF wirklich so viel Eiweiß?

Ich bin keine Tiermedizinerin, aber wenn ich als BWLerin eines kann, dann ist es: rechnen. Berechnen wir also den Proteinbedarf eines Hundes und vergleichen die Proteinzufuhr der einzelnen Futtermittel, um eine echte, objektive Vergleichsgrundlage zu haben.

Eiweißbedarf des Hundes

Laut Meyer/Zentek berechnet sich der Eiweißbedarf nach folgender Formel3:
5 g hochverdauliches Rohprotein (Rp) pro kg Körpermenge^0,75 pro Tag im Erhaltungsstoffwechsel.
Bayo wiegt 38 kg. Er braucht demnach: 5 g x 38 kg^0,75 = 76,5 g Rp am Tag. Durch eine entsprechende körperliche Belastung oder Trächtigkeit, steigt der Proteinbedarf an. Zusätzlich benötigt der Hund Energie in Form von Fett oder Kohlenhydraten.

Wann aber würde man von einer "massiven Überversorgung" sprechen? Laut Meyer / Zentek liegt eine "extreme" Überversorgung vor, wenn das Tier 20-30 g Protein pro kg KM zu sich nimmt. Im Falle von Bayo wären das etwa 760-1.140 g Protein am Tag. Das stellt also eine bis zu 14-fache Versorgung über dem Bedarsfwert dar. Nun ist "extrem" nicht unbedingt mit "massiv" zu vergleichen, aber es wird sicherlich irgendwo weit über dem normalen Bedarfswert liegen. Gehen wir mal davon aus, dass eine "massive Überversorgung" das 5-fache des Bedarfs wäre. Und wie wir bereits wissen, ist selbst dabei fraglich, ob es schädlich für den Hund wäre...

Proteinzufuhr mit Trockenfutter

Ich habe mal beispielhaft einige Futtersorten ausgewählt und die Rationen für einen Hund wie Bayo entsprechend der Herstellerangaben und unter Einbeziehung seines Energiebedarfs errechnet. Bayo benötigt täglich insgesamt ungefähr 1.500 kcal. Die erhält er mit seinen kompletten BARF-Mahlzeiten, also inkl. der Komponenten die hauptsächlich Protein liefern und jener, die eher Energie liefern (Schweineschmalz, Öl, Nüsse).

- Marengo Premium (23,9 % Rohprotein), 400 g am Tag, 2.800 g pro Woche: 669,2 g Rp = 95,6 g Rp am Tag
- Platinum Adult Lamb & Rice (23,0 % Rohprotein), 460 g am Tag, 3.220 g pro Woche: 740,6 g Rp = 105,8 g Rp am Tag
- Orijen Adult (38,0 % Rohprotein), 400 g am Tag, 2.660 g pro Woche: 1.010,8 Rp = 144,4 g Rp am Tag
- Hill's Canine Adult Large Breed Huhn (22,7 % Rohprotein), 405 g am Tag, 2.835 g pro Woche: 643,4 g Rp = 91,9 g Rp am Tag
- Acana Wild Prairie (33,0 % Rohprotein), 405 g am Tag, 2.835 g pro Woche: 935,6 g Rp = 133,6 g Rp am Tag
- Lupovet Poulet Suisse (24,0 % Rohprotein), 425 g am Tag, 2.975 g pro Woche: 714,0 g Rp = 102,0 g Rp am Tag


Proteinzufuhr mit BARF


Bayo bekommt 5x pro Woche:
300 g Muskelfleisch (= 54 g Rp)
+ 140 g Pansen/Blättermagen (= 19 g Rp)
+ 100 g Innereien (= 17,5 g Rp)
+ 100 g Fleischige Knochen (= 18 g Rp)
+ 150 g Gemüse (= 0,65 g Rp)
+ 50 g Fett (= 0 g Rp)
+ 30 g Nüsse/Samen (= 3,3 g Rp)
+ 11 g Bierhefe (= 5,2 g Rp)
+ 9 ml Öl ( = 0 g Rp)

Außerdem gibt es zwei Eier pro Woche (= 13,5 g Rp).


1x pro Woche:
250 g Hirse/Reis/Kartoffel/Hüttenkäse (= 18 g Rp)
+ 150 g Gemüse (= 0,65 g Rp)
+ 40 g Fett (= 0 g Rp)
+ 30 g Nüsse/Samen (= 3,3 g Rp)
+ 11 g Bierhefe (= 5,2 g Rp)
+ 9 ml Öl ( = 0 g Rp)





1x pro Woche:
Nix ;-)











Wenn man nun alle Positionen addiert, kommt man zu folgendem Ergebnis: Bayo frisst pro Woche: 628 g Rp = 89,8 g Rp am Tag.

Huch, was ist das denn? Das Fertigfutter liefert sogar mehr Rohprotein als BARF. Selbst wenn man beim Barfen den Fastentag nicht einhalten würde und ohne Mengenreduktion 6x pro Woche die genannten Fleischrationen füttern würde, läge die Rp-Zufuhr bei 105,2 g pro Tag, was immer noch weniger wäre als bei den meisten Trockenfuttersorten und weit unter einer "massiven Überversorgung". Die würde bei 380 g liegen, wenn man davon ausginge, dass eine 5-fache Deckung des Bedarfswertes so zu bezeichnen wäre. Diese Menge ist mit BARF überhaupt gar nicht zu erreichen... Dazu müsste Bayo über 2 kg pures Fleisch am Tag bekommen. Das wäre absoluter Irrsinn!

Wie kommt es dazu, dass Fertigfutter manchmal sogar mehr Eiweiß liefert als BARF? Die Antwort ist ganz einfach. Der errechnete Proteinbedarf des Hundes bezieht sich auf den Bedarf an hochverdaulichem Rohprotein, also Protein, was zu 100 % verdaut werden kann. Wenn ein Futter nicht genug hochverdauliches Protein liefert, dann muss von dem enthaltenen minderwertigem Protein eben mehr zugeführt werden, um den Bedarf zu decken. Und Futtermittel wie Tiermehle oder Getreidekleber, die häufig im Fertigfutter landen, haben eine Verdaulichkeit von 50-70 % - im Gegensatz zu Fleisch, was zu 98 % verdaut werden kann. Daher muss in einem Fertigfutter mehr Protein enthalten sein.

Was ist der Ursprung des Vorurteils?

Tja, warum wird das Argument, BARF sei zu fleisch- und somit zu eiweißreich, immer wieder aufgeführt, wenn es rein rechnerisch überhaupt gar nicht zutrifft? Ich gehe davon aus, dass viele Leute sich gar nicht darüber im Klaren sind, dass Fleisch eigentlich nur zu 1224 % aus Rohprotein besteht. Der Rest setzt sich zu einem Großteil aus Wasser und natürlich auch noch aus Fett und einem kleinen Teil Rohasche zusammen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Kritiker gar nicht darüber informiert sind, wie eine BARF-Mahlzeit zusammengesetzt ist. Natürlich: Würde man einem Hund wie Bayo täglich 600 g reine Hühnchenbrust geben und nichts anderes, dann würde er auf Dauer wahrscheinliche Nieren- und Leberprobleme entwickeln und zudem noch an einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen leiden. Aber eben das ist eben n i c h t die Idee von BARF. Die Idee ist, dass der Hund abwechslungsreich ernährt wird. Außerdem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Hund eine Energiequelle benötigt: entweder Fett oder Kohlenhydrate. Daher ist in den BARF-Plänen auch immer von durchwachsenem Muskelfleisch (ca. 1525 % Fett) die Rede. Das ist wichtig, damit nicht etwa Proteine nicht zur Energiegewinnung herangezogen werden, was zu einem unnatürlichen Anstieg des Harnstoffwertes im Blut führen würde, der wiederrum die Nieren auf Dauer schädigen kann.

Hat man wie ich eher mageres Fleisch zur Verfügung, dann reduziert man einfach die Fleisch-Menge ein wenig und gibt extra Fett hinzu (dieser Link erklärt, warum das wichtig ist und wie es geht) und daher ist seine Fleischmenge etwas geringer als ihn die BARF-Excel für sein Gewicht errechnet.


Fazit

Wie die Berechnung zeigt, kann mit BARF bei einem gesunden Hund keine Überversorgung mit Eiweiß erreicht werden. Eher liefern die meisten Trockenfutter zu viel Eiweiß - selbst das Trockenfutter des Herstellers, der auf seiner Website anführt, BARF sei zu eiweißlastig, liefert mehr Eiweiß als BARF, was auch nicht verwunderlich ist, denn je schlechter die Verdaulichkeit Futters ist, desto mehr Eiweiß muss insgesamt gefüttert werden. Die Verdaulichkeit von Fertigfuttern ist jener von BARF unterlegen, also muss im Industriefutter mehr Eiweiß enthalten sein, um den Bedarf des Hundes zu decken.

Vertrauen ist gut, Nachrechnen ist besser...


Weitere BARF-Mythen?
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv
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1 http://www.ich-will-futter.de/marengo-423.html
2 Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 66.
3 Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 62.