Freitag, 19. Mai 2017

BARF und NRC-Bedarfswerte – die Quadratur des Kreises

Hundehalter, die gern barfen möchten und gleichzeitig darauf bestehen, dass das Futter sämtliche wissenschaftlichen Bedarfswerte erfüllt, stehen vor einem Problem. Denn BARF (siehe Defintion) ist nicht bedarfsdeckend nach NRC! Man kann es drehen und wenden wie man will: An irgendeiner Stelle fehlt es immer. Im Prinzip werden die NRC-Werte gedeckt, aber egal, welche Nahrungsmittel man einsetzt und wie ausgeklügelt das Menü auch ist, ein BARF-Plan für einen erwachsenen Hund erfüllt niemals den Zink- und Manganbedarf nach NRC! Alle anderen Werte schon, aber diese beiden Werte nie! In BARF-Plänen für Welpen fehlt es rechnerisch zusätzlich noch an Calcium und Phosphor. Bei diesen NRC-Bedarfswerten werden meist nur 50 % Deckung mit BARF erreicht. Eine dramatische Unterversorgung! Oder doch nicht?

Dienstag, 9. Mai 2017

Die Jahresimpfung – eine unendliche Geschichte?

Vor einigen Wochen erschien wie üblich meine zweiwöchentliche Kolumne „Des Pudels Kern“ in der Sächsischen Zeitung und der Freien Presse. Diesmal drehte sie sich um das Thema „Jährliche Impfung beim Hund“. Normalerweise veröffentliche ich die Kolumne nicht auf meinem Blog, aber da der Artikel dazu führte, dass sich ein Veterinär bei der Tierärztekammer darüber beschwerte, stelle ich sie gern auch noch einmal einem größeren Publikum zur Verfügung.

Samstag, 1. April 2017

Ausgrabungen belegen: Höhlenmenschen barften ihre Hunde!

Diese vom Forscherteam entdeckte Höhlenmalerei lässt nur
wenig Interpretationsspielraum zu: Hunde wurden vor
12.000 Jahren schon gebarft!
Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil (dbp): Bisher waren Wissenschaftler davon
ausgegangen, dass Hunde bereits seit tausenden von Jahren mit Trockenfutter ernährt werden – schließlich ist das der einzig bekannte Weg, um die Tiere mit allen lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen und zwar in idealer Zusammenstellung in jeder Mahlzeit. Nun aber hat ein archäologisches Forscherteam eine spektakuläre Entdeckung gemacht. Diverse Artefakte und Höhlenmalereien, die auf etwa 12.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert wurden, beweisen eindeutig: Prähistorische Hunde wurden mit Fleisch, Innereien und Knochen gefüttert – sogar Zusätze wurden eingesetzt. Prof. Dr. Dr. Hubertus Rawdok, der Leiter der Forschungsgruppe, ist erstaunt: „Diese Erkenntnisse sind revolutionär. Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass Hunde während des Jungpleistozäns etwas anderes gefressen haben könnten als Fertigfutter. Bisher galt es als zweifelsfrei belegt, dass nur getreidebasierte Nahrung mit synthetischen Zusatzstoffen in Brockenform das Überleben der Hunde sichert. Anders ließ sich bisher nicht erklären, warum die Vierbeiner so lange an der Seite des Menschen überleben konnten, ohne Schaden zu nehmen oder gar auszusterben.“

Freitag, 3. März 2017

Bioverfügbarkeit – eine Erfindung der BARF-Szene?

Wer sich intensiver mit Nährstoffbedarfswerten beschäftigt hat, kommt um die Thematik der „Bioverfügbarkeit“ nicht herum. Ob im Bereich der Humanernährung oder beim Tierfutter, immer wieder taucht der Begriff auf. Trotz dieser Tatsache gibt es immer wieder böse Zungen, die behaupten, die Bioverfügbarkeit sei ein Hirngespinst, eine Erfindung der BARF-Szene oder sei vollkommen irrelevant, wenn es um das Thema Bedarfswertdeckung geht. Spätestens, wenn es darum geht, den Bedarf an bestimmten Nährstoffen zu berechnen, wird das Thema im Bereich der artgerechten Ernährung von Hunden leider zu oft ignoriert. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass der Begriff nicht nur existiert, sondern von sehr großer Bedeutung ist, wenn es darum geht, welche Bedarfswerte in welchem Fall anzusetzen sind.

Mittwoch, 16. November 2016

Der Weg durch den Fertig-BARF-Dschungel

BARF ist artgerecht, BARF ist gesund, BARF ist natürlich. Soweit so gut. Aber BARF erscheint vor allem Neulingen häufig etwas kompliziert und aufwendig. Aus diesem Grund wagen viele Tierhalter den Einstieg in die Rohfütterung mit Fertig-BARF-Menüs. Das ist ein guter Anfang! Mittlerweile gibt es sehr viel Auswahl, allerdings entspricht leider nicht alles, wo BARF drauf steht, tatsächlich auch dem Beutetiermodell (mehr dazu…). Es tummeln sich leider viele Pseudo-BARF-Menüs am Markt. Deswegen kommt es durchaus vor, dass die Fütterung solcher Menüs viel komplizierter ist als es auf den ersten Blick erscheint. Denn einige Sorten werden erst dann richtige BARF-Rationen, wenn sie geschickt und wohl durchdacht miteinander kombiniert werden. Aber gerade das ist für einen BARF-Neuling doch das Problem, denn es erfordert recht umfangreiches Vorwissen. Jene, die sich dieses Wissen noch nicht angeeignet haben, fragen sich sicherlich: Woran erkennt man denn nun ein gutes Fertig-BARF-Menü? Was sind die Fallstricke und worauf muss man achten?

Dienstag, 18. Oktober 2016

Über Glückshormone, Impulskontrolle und überflüssige Kohlenhydrate

Immer wieder gibt es in der Hundewelt Themen, die große Aufmerksamkeit erregen und über die heiß debattiert wird. Darunter die alljährliche Diskussion zur Frage „Kohlenhydrate in der Hundeernährung“. Immer wieder werden Gründe genannt, warum diese unbedingt in den Hundenapf gehören. Vor 3 Jahren tauchte eine Studie auf, in der angeblich nachgewiesen wurde, dass Hunde generell in höherem Maße als Wölfe in der Lage wären, Kohlenhydrate zu verdauen. Ein Segen für die Verteidiger von Stärke & Co. bis eine neuere Untersuchung nur ein Jahr später belegte, dass wohl doch nicht alle Hunde mehr Gene zur Stärkeverdauung hätten als Wölfe, sondern nur einige (mehr dazu hier...). Schade eigentlich.

Aber es dauerte nicht lange und da brachten die Kohlenhydratbefürworter eine neue Argumentation hervor. Impulskontrolle und Glücklichsein. Ein Hund bräuchte angeblich Kohlenhydrate in der Nahrung, um sich unter Kontrolle zu halten, sich besser zu konzentrieren, weniger aggressiv zu sein und insgesamt glücklicher. Kaum war diese „neue“ Erkenntnis verbreitet, versuchten Hundehalter Erziehungsprobleme oder einfach arttypisches Verhalten (z. B. Abneigung gegen fremde Artgenossen, Ablenkung durch Fortpflanzungsgelüste, Auslebung von züchterisch intendierten Eigenschaften wie Jagd-, Hüte- oder Schutztrieb) mit massenhaft Kohlenhydraten in der Nahrung zu therapieren. Zum Leidwesen der geplagten Tierbesitzer meist mit wenig Erfolg. Schade eigentlich, denn es ist natürlich verlockend, eine einfache Lösung für ein komplexes Problem präsentiert zu bekommen.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Ernährungsberatung – braucht man das?

Es ist immer schwierig, einen sachlichen und objektiven Beitrag über das eigene Tätigkeitsfeld zu schreiben. Ich versuche es dennoch.

Viele Tierhalter, die sich für BARF interessieren, werden mit der Frage konfrontiert, ob sie nun einen Ernährungsberater mit einer Futterplanerstellung beauftragen sollten oder nicht. Für die einen ist das nämlich reine Geldverschwendung, andere sind sich einig, dass es ohne professionell erstellten Plan keine Chance gibt, den eigenen Hund gesund zu ernähren.

Ob das wirklich notwendig ist, kann man nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Wie so oft im Leben, kommt es auf die Umstände an.

Montag, 18. Juli 2016

Fehlerhafte Studie: Der Wolf, der Hund und die Kohlenhydrate

Wenn es um Kohlenhydrate in der Hundeernährung geht, scheiden sich die Geister. Die einen sind der Meinung, Kohlenhydrate gehörten nur in untergeordneten Mengen in die Nahrung eines Beutefressers, andere sind der Überzeugung, man müsse Hunde mit einem Kohlenhydratanteil von über 50 % ernähren. Letztere Gruppe stützt ihre Argumentation dabei die Ergebnisse einer Studie unter der Leitung des schwedischen Forschers Erik Axelsson aus dem Jahr 2013[1]. Diese soll bewiesen haben, dass Hunde mehr Gene zur Verwertung von Kohlenhydraten hätten als Wölfe und dass eine kohlenhydratreiche Fütterung die Domestikation des Hundes überhaupt erst ermöglicht hätte.[2] Dieses Argument wird seitdem in verschiedenen Publikationen, Marketingunterlagen, Facebook-Kommentaren, ja, sogar im letzten Test Stiftung Warentest hervorgebracht. Was viele nicht zu wissen scheinen: Die Ergebnisse der vielzitierten Studie wurden bereits in 2014 stark relativiert und zwar unter Mitwirkung von Erik Axelsson selbst. Warum nur erwähnt das keiner?

Montag, 4. Juli 2016

Tierarzt vs. Neubarfer – Krieg der Welten?

Eins vorweg: Ich bin sicherlich niemand, der vorschnell urteilt und ich halte auch nichts von pauschalisierten Beschuldigungen in Richtung Tierärzteschaft. Denn es gibt sie überall, die schwarzen Schafe und natürlich auch die guten Vertreter einer Zunft. Ob nun in weißem Kittel, im Anzug oder im Blaumann. In jedem Berufszweig.

Dennoch schlage ich oft die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Freunde, Bekannte, Kunden oder einfach Tierhalter, die sich in Foren oder Facebook-Gruppen äußern, von ihrem ersten Tierarzt-Besuch als Neubarfer berichten. Natürlich gibt es sie, die Tierärzte, die vernünftig mit der Thematik BARF umgehen, sich den Futterplan der Tierhalter ansehen, eventuell Korrekturen vornehmen, ihnen Tipps geben und so dafür sorgen, dass der Hund wirklich gut ernährt wird. Aber leider scheint ein Teil der Veterinäre einen gegenteiligen Kurs zu fahren: Wenn es um BARF geht, wird in den Praxen schon mal rot gesehen, dann wird gepöbelt, beschuldigt und gelogen, was das Zeug hält.

Die Vorwürfe reichen von „Der Hund erhält mit BARF auf keinen Fall genug Nährstoffe!“ über „Rohes Fleisch? Da bekommen Ihre Kinder garantiert Würmer und Salmonellen!“ bis hin zu „Verantwortungslos! Sie füttern Ihren Hund in den Nierentod! Er wird Ihretwegen sterben!“ Würde man eine Liste der unangemessenen, unbelegten, teilweise beleidigenden und völlig unsinnigen Aussagen einiger Tierärzte zum Thema BARF erstellen, sie würde diesen Blog sprengen. Einiger Tierärzte, nicht aller Tierärzte, wohlgemerkt.

Dienstag, 21. Juni 2016

Falsch, falscher, Pseudo-BARF – wie man es nicht machen sollte….

BARF ist eigentlich einfach. BARF ist keine Religion. BARF ist keine Wissenschaft. BARF ist nicht der heilige Gral der Hundefütterung. Aber wenn man barft, dann richtig! Denn BARF umfasst bestimmte Konzeptregeln, die es zu beachten gilt: Nämlich die Orientierung am Beutetier. Es sind einfache Regeln, aber sie existieren und sie sind wichtig. Immer wieder trifft man im Internet, bei Seminaren oder sogar in Büchern auf so genannte BARF-Futterpläne, die so viel mit BARF gemein haben wie AC/DC mit den Wildecker Herzbuben. Auch manche Ernährungsberater, THP oder Tierärzte erstellen leider solche Pseudo-BARF-Pläne, die alles vernachlässigen, was aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll wäre oder auch nur im Ansatz etwas mit dem Aufbau einer BARF-Ration zu tun hat. Schade eigentlich.

Menschen machen Fehler, das ist normal. Niemand ist unfehlbar. Allerdings ist auffällig, dass manche Pseudo-BARF-Rationen den Eindruck erwecken, als hätte der Ersteller sich nicht einmal über die grundlegendsten Regeln von BARF informiert, nennt das Ergebnis aber trotzdem BARF-Plan. Vielleicht weil sich das dann besser verkauft. Das ist einfach nur traurig. Glücklicherweise gibt es natürlich auch ganz viele richtig konzipierte Futterpläne, aber um die soll es heute nicht gehen. Betrachten wir die häufigsten Fehler in (Pseudo-)BARF-Rationen.